LeseMaus im Buecherhaus

Unübersichtlich viele Frauen nehmen ihr Leben selbst in die Hand

Elf Meter: Frauenroman (Frauenromane im GMEINER-Verlag) - Kathrin Schachtschabel

Der erste Satz: "Mit einem Schlag hatte der Gesangsverein in Lürig 18 Mitglieder weniger."

 

Das Äußere: Das E-Book hat ein verheißungsvolles Cover: Es zeigt nur den Teil einer energisch wirkenden Frau im Kittel mit einem Rechen in der Hand. Schade, dass man ihr Gesicht nicht sehen kann, wahrscheinlich würde ihr die Tatkraft schon aus den Augen strahlen. So aber kann man nur erahnen, was die Dame mit dem Rechen noch so Gefährliches vor hat...

 

Das Innere: Das kleine Eifeldorf Lürig wird von einem schlimmen Schicksalsschlag erschüttert: Auf der Fahrt zu einem Fußballspiel des 1. FC Köln kommt nahezu die gesamte männliche Bevölkerung des Dorfes bei einem Busunfall ums Leben. Schlagartig müssen die hinterbliebenen Frauen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Nur Heidrun muss sich weiterhin mit ihrem Mann Peter herumärgern, weil der gar nicht mitgefahren ist - ob ihr dazu nicht etwas einfallen wird?

 

Das Wesentliche: Im Prolog erzählt der junge Hein Badony, einziger Überlebender des schweren Busunglücks, in der Retrospektive von den Geschehnissen vor und während der Busfahrt. Von hier aus hätte die Geschichte nun schnell Fahrt aufnehmen sollen - doch bevor es überhaupt losgeht, werden sage und schreibe 15 Haupt-, 41 (!) Nebenfiguren und 5 Randfiguren in einem umfassenden Personenverzeichnis vorgestellt. Da habe ich direkt ein wenig Angst bekommen, zumal das Hin- und Herblättern in einem E-Book nicht ganz so schnell geht, wenn man doch mal nachsehen muss, welche Person gerade die Handlung anführt.

 

Aufgrund der hohen Personenzahl war es dann auch gar nicht so einfach, im Roman Fuß zu fassen. Immer wenn ich gerade eine Art von Beziehung zu einer der Personen aufbauen wollte, ging die Handlung mit einer anderen Person schon weiter. Dabei mochte ich zum Beispiel Karin Brücker, Frau des Dorfarztes und ebenfalls Medizinerin, recht gern. Sie hat versucht, ihre Trauer durch Aktivität in den Griff zu bekommen - die Frauen des Dorfes brauchten ja schließlich auch nach dem Tod von Dr. Peter Bauer weiterhin einen Arzt.

 

Die Schicksale der übrigen Hauptpersonen gingen leider im Gemengelage ziemlich unter. Wieso Heidrun Bauer denn nun so unbedingt ihren Mann Peter loswerden wollte, ist mir die ganze Zeit über nicht so recht klar geworden. Wenn Heidrun nun aber wenigstens etwas energischer versucht hätte, ihren Mann los zu werden, hätte sich hier die eine oder andere Quelle für humoristischere Handlungen ergeben können.

 

Eigentlich habe ich mich sehr auf das Buch gefreut. Ich war fest davon überzeugt, dass ich hier einen unterhaltsamen Frauenroman mit einer guten Portion schwarzen Humors finden würde. Leider gab es aber für meinen Geschmack viel zu viele Charaktere, die auf zu viele verschiedene Arten mit dem Tod ihrer Männer fertig zu werden versuchten. Dass die Frauen überhaupt getrauert haben, ist in meinen Augen zu sehr im Hintergrund geblieben. Selbst bei einem Fokus auf schwarzem Humor muss für mich ein Ansatz für Glaubwürdigkeit erkennbar sein, damit ich in den Roman gut einsteigen kann.

 

Karin Schachtschabels Schreibstil hingegen hat mir gut gefallen. Sehr flüssig geschrieben, kommen einige der Damen ländlich-ruppig rüber und wirken somit doch recht authentisch. Ich kann mir gut vorstellen, es noch einmal mit einem anderen Roman der Autorin zu versuchen.

 

Das Fazit: Für mich persönlich waren es ein paar zu viele Charaktere, was dazu geführt hat, dass die Handlung aufgrund der vielen Szenen- und Protagonistenwechsel sehr in den Hintergrund trat. Das Buch hat mich daher leider nicht überzeugen können, obwohl der Schreibstil viel Potenzial hat.

 

Die Bewertung: Zwei von fünf Sternen

Quelle: http://lesemausimbuecherhaus.blogspot.de/2014/09/Rezension-Elf-Meter.html