LeseMaus im Buecherhaus

Übersinnlichkeit, dunkel und verwirrend

Niceville - Carsten Stroud

Der erste Satz: "Die Polizei von Niceville brauchte nicht einmal eine Stunde, um die Person zu finden, die den Jungen zuletzt gesehen hatte: Alf Pennington."

Das Äußere: Das Cover ist ungewöhnlich düster und zeigt ein von Schatten unterlegtes männliches Gesicht. Die abgebildete Person hat eine Zigarre zwischen die Lippen geklemmt, ihre Augen kann man gar nicht erkennen. Es sieht so aus, als würde man als Leser von einem Unbekannten insgeheim beobachtet. Gruselig! Sehr schön gemacht ist aber der Buchschnitt - hier sieht man schemenhafte Vögel aus einem schwarzen Untergrund aufsteigen. Eine gute Idee, zumal das Motiv der Vögel - es sind Krähen - auch mehrfach im Buch vorkommt. Allerdings hat der dunkle Buchschnitt bei mir das Bedürfnis ausgelöst, mir öfter mal beim Lesen die Hände zu waschen, was bestimmt nicht im Sinne des Erfinders war.

Das Innere: In Niceville geschehen mysteriöse Dinge. Ein Junge verschwindet und wird in einer alten Gruft wiedergefunden. Seine Eltern verschwinden ebenso. Während Nick Kavanaugh als Ermittler versucht, Licht ins Dunkle zu bringen, überfallen Merle Zane und Charlie Danziger eine Bank und fliehen vor der Polizei. Von hier aus liefert der Roman in rasantem Tempo dem Leser eine ungewöhnliche Story mit zahlreichen falschen Fährten. Welche Rolle dabei "die Familien" spielen, die von den Geschehnissen ebenfalls nicht unbehelligt bleiben, und wie Nicks Frau Kate damit zusammenhängt, das und vieles mehr sollte jeder selbst herausfinden, der sich in das Buch hinein traut...

Das Wesentliche: Mir hat es dieses Buch ehrlich nicht leicht gemacht. Schon zu Beginn fand ich nicht so recht den Einstieg in ein fesselndes Leseerlebnis. Das hat mich ganz besonders überrascht, denn ich bin sonst für Bücher dieser Art und dieses Inhalts sehr zu haben. Gebt mir ein Buch mit übersinnlichen Themen, und ich bin dabei! Hier aber nicht, und ich kann noch nicht einmal genau erklären, woran es lag, dass ich keinen Zugang zum Buch fand.

Die von Carsten Stroud geschaffene Atmosphäre ist sehr ungewöhnlich und auch faszinierend. Ich hatte ständig das Gefühl, auf irgendwelchen staubigen, vor Hitze flirrenden amerikanischen Straßen unterwegs zu sein, fern von allen Freunden. So ein Gefühl im Leser auszulösen ist in meinen Augen schon beachtlich. Dennoch habe ich mich im und mit dem Buch nicht wohl gefühlt.

Dazu hat sicher zum Teil beigetragen, dass ich mit den Protagonisten nicht recht warm wurde. Allein schon die auftauchenden Namen haben mir zu Schaffen gemacht. Ich konnte die auftretenden Personen einfach nicht auseinander halten. Da gab es z. B. Yaztremski, Dale Jonquil oder Twyla Littlebasket, um nur einige der Namen zu nennen.

Aber auch zu den Hauptprotagonisten konnte ich nur zwiespältige Beziehungen aufbauen. Kate und ihr Mann Nick haben es als Hauptprotagonisten des Romans nicht einfach gehabt, in den Vordergrund zu treten. In meinen Augen wurden sie öfter von den Geschehnissen überrollt und haben gar keine Zeit gehabt, sich selbst damit auseinander zu setzen. So rutschen beide selbst in die übersinnliche Atmosphäre hinein, ohne dies überhaupt in Frage zu stellen. Das erschien mir einfach nicht realistisch genug - und deswegen konnte ich Kate und Nick auch nicht wirklich ernst nehmen.

Es tut mir fast leid, dass ich so wenig Gutes über das Buch zu berichten habe. Die Story als solche ist so angelegt, dass diese jeden faszinieren sollte, der im Ansatz Interesse für ungewöhnliche Geschichten hat - bei mir ist jedoch leider nur ein Bruchteil dieser Absicht des Autors angekommen. Meistens hatte ich vollauf damit zu tun, den verschiedenen Handlungsfäden zu folgen, um selbst eine Lösung für die zahlreichen offenen Fragen zu finden. Mich wie in jedem anderen Kriminalroman bereitwillig in die Hände des Ermittlers zu begeben und ihm auf seinem Weg zu folgen kam für mich hier wohl nicht in Frage. Dafür war mir der Plot zu mysteriös - und ich selbst vielleicht zu nah dran am ungewöhnlichen Geschehen. Da musste ich mich wohl selbst in Sicherheit bringen.

Dennoch kann ich mir vorstellen, die im Herbst erscheinende Fortsetzung "Die Rückkehr" zur Hand zur nehmen, damit ich mit einigen der hier noch offen gebliebenen Fäden die Chance habe, doch noch ein rundes Bild zu knüpfen.

Das Fazit: In meinen Augen keine leichte Kost - dieses Buch sollte dennoch theoretisch mögen, wer sich gerne mit übersinnlichen und geisterhaften Geschichten beschäftigt. Eine Garantie würde ich hierfür aber nicht übernehmen, denn der Leser muss sich auf Einiges einlassen.

Die Bewertung: Zwei von fünf Sternen
Quelle: http://lesemausimbuecherhaus.blogspot.de/2013/05/rezension-niceville-von-carsten-stroud.html